Neuorientierung

Studienabbruch: Gründe dafür und Maßnahmen dagegen

Junge Frau sitzt auf einer Treffe und schaut unglücklich in die FerneDer Abbruch des Studiums – ob freiwillig oder unfreiwillig – stellt meist einen bedeutenden Einschnitt und den Beginn eines neuen Abschnitts im Leben dar. Wie kommt es dazu, auf einmal keine Perspektiven mehr auf dem angefangenen Weg zu sehen? Welche Alternativen stehen Ihnen offen und wie können Sie sicher sein, dass Sie nicht doch einfach durchhalten sollten? Der folgende Artikel soll Ihnen helfen, Ihre Situation objektiv einzuschätzen...

...Ein Studienabbruch kann freiwillig, aufgrund privater oder beruflicher Gründe erfolgen oder erzwungen sein. Dabei muss ein Studienabbruch nicht zwingend als negativer Schritt gewertet werden. Aus der bewussten Entscheidung, etwas Neues zu wagen, können völlig neue Chancen erwachsen.

Dennoch stellt der Studienabbruch einen erheblichen Einschnitt in den persönlichen Lebensweg dar und sollte wohl überlegt sein. In jedem Fall lohnt es sich, seine Motivationen für einen Studienabbruch zu hinterfragen. Was sind die Gründe für den Abbruch? Gibt es Lösungen oder Hilfen, mit denen ein Weiterstudieren in Frage käme? Was wären die direkten Folgen eines Abbruchs und welche Möglichkeiten stehen Ihnen nach dem Abbruch offen? Versuchen Sie, diese Fragen vor Ihrer Entscheidung zu beantworten – egal wie Ihre Gründe aussehen.

Motivationsmangel

Seltene Teilnahme an Studienveranstaltungen und die Nichterfüllung von Prüfungsleistungen können vielfältige Ursachen wie private Unzufriedenheit, veränderte Interessen oder zu hohe Anforderungen im Studium haben. Je nach Ursache der Demotivation sollten Sie unterschiedlich vorgehen. Versuchen Sie, sich selbst zu motivieren und achten Sie darauf, private Frustrationen nicht mit Unzufriedenheit im Hinblick auf das Studium zu verwechseln.

Vier Personen sitzen in einer Runde und diskutieren miteinanderNehmen Sie Hilfe von Verwandten, Freunden und wenn möglich auch professionelle psychologische Beratung in Anspruch, um Lösungen für die Probleme zu finden. Meist lassen sich die privaten Probleme durch einen Studienabbruch nicht lösen, sie können sogar noch komplexer werden.

Sollte das Studium selbst Grund für die fehlende Motivation sein, überlegen Sie noch einmal, ob ein Studium grundsätzlich das Richtige für Sie ist, ob Sie ein anderes Studium [Artikellink „Welches Studium passt zu mir?" wird ergänzt] wählen wollen oder ob Ihre Zeitplanung und Studientechniken angemessen sind. Es besteht zudem die Möglichkeit, mit einem studienfachbezogenen Praktikum zu prüfen, ob Ihnen der berufliche Alltag, der Sie nach dem Studium erwarten würde, grundsätzlich zusagt. Den Sinn hinter trockenen Studieninhalten zu erkennen, hilft durchzuhalten.

Finanzielle Gründe

Finanzielle Notlagen können zu Zeitmangel führen und das Studium gefährden. Wird das Geld zum Leben so knapp, dass Zeit, die eigentlich für das Studium benötigt wird, zum Arbeiten verwendet wird, leiden die Studienleistungen und können im schlimmsten Fall gar nicht mehr erbracht werden. Zudem müssen die Semesterbeiträge an der Hochschule geleistet werden, die bei Nichtzahlung im schlimmsten Fall zur Exmatrikulation führen.

Wer in eine finanzielle Notlage gerät, sollte zunächst alle Möglichkeiten zur Studienfinanzierung erörtern. Meist helfen Beratungsstellen und das Studentenwerk der Hochschule bei der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel Überbrückungsdarlehen oder Studienabschlussdarlehen.

Es gibt verschiedene Angebote mit einmaligen oder regelmäßigen Zahlungen. Während Stipendien meist nicht zurückgezahlt werden müssen, müssen Darlehen nach einem bestimmten Zeitraum getilgt werden. Wichtig ist, vor Inanspruchnahme einer finanziellen Unterstützung die Bedingungen für die Rückzahlung gut zu verstehen, damit später unangenehme Überraschungen ausbleiben.

Pflege eines Familienmitglieds

Junge Frau umarmt eine Seniorin im RollstuhlWer sich neben dem Studium auch noch um seine Familie kümmern muss, zum Beispiel weil ein Angehöriger zum Pflegefall wird, kann durch die doppelte Belastung in akute Zeitnot geraten.

Bei Pflegefällen in der Familie sollte mit allen Familienmitgliedern eine Strategie entwickelt werden, wie die Betreuung aussehen kann. Je nach Schwere des Pflegefalls, kann es sich um ein paar Stunden in der Woche oder einen Vollzeitjob handeln. Erlauben die finanziellen Mittel oder die staatliche Fürsorge keine ausreichende Unterstützung durch bezahltes Personal oder entscheidet man sich bewusst dafür, die Pflege selbst zu übernehmen, bleibt für ein Studium meist nur noch wenig Zeit. Trotzdem müssen Sie das Studium nicht gleich abbrechen. Sprechen Sie mit den Beratungsstellen der Hochschule und reichen Sie einen Härtefallantrag ein, um Fristen und Prüfungen anzupassen.

Wenn abzusehen ist, dass die intensive Betreuung für einen bestimmten Zeitraum nötig ist und Sie Ihr Studium danach fortsetzen wollen, können Sie ein Urlaubssemester beantragen oder sich zeitweilig exmatrikulieren. Urlaubssemester sind allerdings meist auf maximal zwei bis drei Semester beschränkt.

Schwangerschaft und Elternzeit

Schild mit dem Umleitungszeichen liegt umgestürzt auf dem Boden und zeigt ins irgendeine RichtungFür Schwangerschaften oder die Elternzeit gibt es besondere Regelungen und Unterstützungen zur Finanzierung sowie zum Wiedereinstieg ins Studium. Wenden Sie sich dazu an die Familien- oder Gleichstellungsbeauftragten. Manche Studentenwerke bieten zudem eine Schwangerschaftskonfliktberatung oder eine Sozialberatung an, in der auch finanzielle Möglichkeiten für ein Studium mit Kind erörtert werden können. Üblicherweise können für Schwangerschaft und Elternzeit bis zu sechs Urlaubssemester beantragt werden. Wer sein Studium dafür länger aussetzen möchte, hat die Möglichkeit, sich zeitweilig zu exmatrikulieren.

Behinderung

Haben Sie das Gefühl, aufgrund Ihrer Behinderung im Studium schlecht voranzukommen? Bisweilen können die alltäglichen Barrieren die Lust am Studieren deutlich hemmen. Viele Menschen mit einer Behinderung benötigen für ihr Studium länger als in der Regelstudienzeit vorgesehen ist und haben Probleme mit bestimmten Prüfungsleistungen.

Wenden Sie sich noch einmal an die zuständigen Beratungsstellen, um Ihre Probleme zu schildern. Neben Beratungsangeboten wie den Sprechstunden der Behindertenbeauftragten Ihrer Hochschule können vielleicht auch Gespräche mit Zuständigen Ihres universitären Prüfungsamtes oder Ihrer Fakultät neue Wege aufzeigen. Vielleicht lassen sich durch die Identifizierung akuter Probleme Lösungen finden, die zuvor nicht in Betracht gezogen wurden.

Finden Sie keine geeignete Lösung, könnte für Sie der Wechsel zu einer Hochschule [Artikellink zum Thema „Barrierefreie Universitäten" wird ergänzt] in Frage kommen, die auf Erfahrungen mit Menschen mit Behinderung zurückgreifen kann und bereits gute Lösungsmodelle entwickelt hat – zum Beispiel durch eine spezifische Anlaufstelle für Studierende mit Behinderung.

Krankheit

Sollten Sie so stark erkranken, dass Ihnen ein Weiterstudieren unmöglich ist, können Sie Ihr Studium beenden oder pausieren. Die einfachste Möglichkeit ist ein Urlaubssemester. Sie können maximal zwei bis drei Urlaubssemester beantragen. Sollten Sie zur Genesung länger benötigen, können Sie sich auch zeitweilig exmatrikulieren.

Zwangsexmatrikulation

Hochschulen schließen Studierende, die bestimmte Prüfungsleistungen auch nach mehrmaligen Versuchen (eine genaue Anzahl können Sie Ihrer Studienordnung entnehmen) nicht bestehen, vom Studium aus – sie werden exmatrikuliert.

Wenn Sie gegen eine gescheiterte Prüfung Widerspruch einlegen wollen, wenden Sie sich an den Prüfungsausschuss Ihrer Hochschule. Kümmern Sie sich möglichst schnell darum, um mögliche Fristen einzuhalten. Wenden Sie sich zudem an die Beratungsstellen oder Behindertenbeauftragten, um gegebenenfalls Unterstützung für Ihren Widerspruchsantrag einzuholen.

Schlagbaum mit Schild "Road closed"Im Falle einer Exmatrikulation durch Fehlleistungen, können Sie sich für ein ähnlich geartetes Studium auch an keiner anderen gleichartigen Hochschule in Deutschland mehr einschreiben.

Haben Sie beispielsweise BWL an einer Universität studiert und zu viele Fehlversuche im Fach Statistik gehabt, dann dürfen Sie danach BWL nicht an einer Uni, wohl aber an einer Fachhochschule studieren. Sie dürfen allerdings an Ihrer Uni ein beliebiges Fach studieren, in dem Statistik nicht geprüft wird. Sollten Sie also nach einer Exmatrikulation aufgrund zu vieler Prüfungsfehlversuche ein anderes Studium anstreben, müssen Sie beachten, dass Sie sich für keine Disziplin immatrikulieren, in der wieder diese endgültig nicht bestandene Prüfung verlangt wird.

Andere Gründe für Zwangsexmatrikulationen können eklatante Verstöße gegen die Hochschulordnung sein. Oder auch das Nichtbezahlen von Semesterbeiträgen: Achten Sie auf die Fristen an Ihrer Hochschule.

Jobangebot

Wenn Sie bereits im Studium ein Jobangebot erhalten, zum Beispiel aufgrund guter Erfahrungen in einem Praktikum oder einem Nebenjob [Artikellink zum Thema „Nebenjob" wird ergänzt], ist dies natürlich eine tolle Anerkennung Ihrer Fähigkeiten. Sie sollten aber trotzdem bedenken, dass Sie ohne Studienabschluss dastehen, falls es mit dem Arbeitsverhältnis wider Erwarten Probleme geben sollte. Bei einer Bewerbung auf eine neue Stelle kann dies ein entscheidender Nachteil sein.

Im Laufe Ihres späteren Berufslebens rückt das Fehlen des Abschlusses bei der Bewertung Ihres Werdegangs in den meisten Fällen immer stärker in den Hintergrund und die Berufserfahrung in den Vordergrund. Ein erfolgreicher akademischer Abschluss kann allerdings auch bei der Karriereplanung relevant sein. Führungspositionen werden in manchen Unternehmen nur an Akademiker vergeben.

Nach dem Abbruch

Wenn Sie Ihr Studium abbrechen, müssen Sie sich überlegen, wie Sie Ihren weiteren Lebensweg gestalten wollen und sich mit den versicherungs- und finanztechnischen Folgen des Abbruchs auseinandersetzen. Mehr dazu finden Sie in unserem Artikel zu Folgen und Möglichkeiten nach dem Studienabbruch.

Links

Downloads